Wenn eine Wellendichtung plötzlich leckt, ist selten die Dichtung selbst schuld. In den allermeisten Fällen liegt es an einer Handvoll typischer Ursachen. Wer sie kennt, findet den Fehler schnell, und vermeidet ihn beim nächsten Mal.
1. Zu niedriger Sperrgasdruck
Die häufigste Ursache. Fällt der Sperrdruck unter den Druck des Mediums, kann dieses austreten, mit Umweltbelastung, erhöhtem Verschleiß und bis zum Ausfall der Dichtung. Als Richtwert muss der Sperrdruck mindestens 0,1 bar über dem Druck im Dichtungsraum liegen. Mehr dazu im Beitrag Was ist ein Sperrgassystem?
2. Sperrgasdruck gleich oder niedriger als der Mediumdruck
Liegt der Sperrgasdruck nicht über dem Mediumdruck, dringen Feststoffe in die Dichtung ein und beschleunigen den Verschleiß bis zum Ausfall. Der Sperrgasdruck muss immer über dem Mediumdruck liegen.
3. Verschlissene Dichtringe
Dichtringe sind Verschleißteile. Ein steigender Sperrgasverbrauch ist das deutlichste Warnsignal, er deutet auf verschlissene Dichtringe hin. Überwachen Sie den Verbrauch kontinuierlich und halten Sie einen Reservesatz Dichtringe bereit, um Stillstände kurz zu halten.
4. Beschädigte Dicht- oder Laufflächen
Ist ein Dichtungsbauteil beschädigt, insbesondere die Dichtflächen, entsteht Leckage in flüssiger oder gasförmiger Form. Prüfen Sie auch die Lauffläche der Welle: Kratzer, Einlaufspuren oder eine zu hohe Rautiefe führen zu Undichtigkeit. Welche Anforderungen die Lauffläche erfüllen sollte, lesen Sie im Beitrag Welle & Wellenhülse: die Toleranzen, die zählen.
5. Einbaufehler
Viele Leckagen entstehen schon bei der Montage: verkantete Gehäusehälften, falsch zur Drehrichtung eingebaute Dichtringe, eine nicht korrekt sitzende Arretierung oder eine Überfettung der Fettkammern. Sorgfalt beim Einbau zahlt sich unmittelbar in Dichtheit aus.
6. Belagbildung und Schwingungen
Bildet sich auf der Lauffläche ein Belag, etwa durch Kristallisation oder Polymerisation des Mediums, oder treten zu starke Schwingungen auf, führt das zu zusätzlichem Verschleiß und schließlich zu Leckage.
Systematisch statt raten
Im Störfall gilt: Dichtung öffnen und inspizieren. Die Dichtringe werden dabei besonders auf Ausbrüche, Abplatzungen und Verschleiß am Innendurchmesser geprüft. Kommen Sie nicht weiter, hilft unsere Erfahrung, die Ursache zu finden, und die passende Lösung zu bestimmen.
Fachlicher Hinweis: Dieser Beitrag nennt die häufigsten Ursachen. Die konkrete Diagnose hängt von Dichtungstyp, Medium und Betriebsbedingungen ab. Im Zweifel unterstützen wir Sie gern.