Berührungslose Wellendichtungen arbeiten mit einem Spalt. Damit sie das Medium vollständig zurückhalten, brauchen sie Sperrgas, und zwar sauber aufbereitet, richtig geregelt und überwacht. Genau das leistet ein Sperrgassystem.
Warum berührungslose Dichtungen Sperrgas brauchen
Um den Durchfluss des Mediums vollständig zu unterbinden, wird ein gasförmiges Sperrmedium, meist Stickstoff oder Luft, in den Dichtspalt eingeleitet. Die Grundregel: Der Sperrdruck muss höher sein als der Druck des Mediums, damit dieses nicht durchdringt. Als Richtwert liegt er mindestens 0,1 bar über dem Druck im Dichtungsraum. Wie das im Zusammenspiel mit der Dichtung funktioniert, lesen Sie im Beitrag Wie funktioniert eine berührungslose Wellendichtung?
Zusätzlich hält das Sperrgas Schmutz und Feststoffe fern, kühlt die Dichtung und kann den Dichtungsraum inertisieren.
Was ohne richtiges Sperrgas passiert
Ist der Sperrgasdruck zu niedrig, kann Medium austreten, das führt zu Umweltbelastung, erhöhtem Verschleiß und bis zum Ausfall der Dichtung. Ist er gleich hoch oder niedriger als der Mediumdruck, dringen Feststoffe in die Dichtung ein und beschleunigen den Verschleiß.
Was ein Versorgungspanel (SVP) macht
Ein Sperrgas-Versorgungspanel bereitet das Sperrgas auf und stellt sicher, dass es mit dem richtigen Druck und in der richtigen Menge an der Dichtung ankommt, dauerhaft überwacht. Die zentralen Komponenten:
- Druckregler stellt den benötigten Gasdruck ein
- Filter hält das Sperrgas sauber, frei von Feststoffen über 10 µm
- Manometer zeigt den Druck an
- Durchflussmesser zeigt die Durchflussmenge an und lässt sie einstellen
- Rückschlagventil verhindert, dass Sperrgas in die falsche Richtung strömt
- Druckschalter überwacht die Funktion und meldet Abweichungen an die Leitwarte
Die Panels werden kompakt montiert und geprüft geliefert, auf Wunsch auch in ATEX-Ausführung für explosionsgefährdete Bereiche. Alle Ausführungen finden Sie auf der Seite zu den Sperrgassystemen (SVP).
Geregelt wird über den Druck, nicht über den Durchfluss
Wichtig: Die Sperrgasaufgabe wird immer über den Druck geregelt (Δp-Regelung). Der Durchflussmesser dient der Überwachung, nicht der Regelung. Ein steigender Sperrgasverbrauch ist übrigens ein wertvolles Frühwarnsignal, er deutet auf verschlissene Dichtringe hin.
Weniger Verbrauch mit Sperrfett
Ergänzend zum Sperrgas kann eine Fettsperre eingesetzt werden. Sie erhöht die Dichtheit und kann den Sperrgasverbrauch um bis zu 90 % senken. Mehr dazu bei den Sperrfetten.
Die richtige Sperrgasmenge bestimmen
Wie viel Sperrgas eine Dichtung braucht, lässt sich berechnen, aus den Angaben zum Fördermedium, zu Dichtungsgröße und -art, zu den Eigenschaften des Sperrgases und zur Wellendrehzahl. Schicken Sie uns diese Parameter, und wir ermitteln die Werte für Ihre Anwendung.
Fachlicher Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt das Grundprinzip. Aufbau und Auslegung eines Sperrgassystems richten sich nach Ihrer Anwendung und stimmen wir individuell mit Ihnen ab.