Wissen · Lesezeit ca. 4 Minuten

Eine Wellendichtung muss an einer rotierenden Welle zwei Räume voneinander trennen, ohne dass das Medium entweicht. Eine berührende Dichtung presst dafür auf die Welle und verschleißt mit der Zeit. Eine berührungslose Dichtung löst dieselbe Aufgabe anders: Sie dichtet über einen engen, definierten Spalt, fast ohne Reibung.

Was heißt berührungslos?

Zwischen dem feststehenden Gehäuse und der rotierenden Welle bleibt ein definierter Dichtspalt. Rotor und Gehäuse berühren sich nicht. Kein Kontakt bedeutet: kein Reibverschleiß, keine Reibungswärme und keine dynamisch belasteten Verschleißteile. Die Dichtung erzeugt dadurch auch keine eigenen Schwingungen.

Nach einem kurzen anfänglichen Einlaufverschleiß stellt sich eine berührungsarme Spaltdichtung mit minimaler Leckage ein. Und weil nichts aufeinander reibt, sind deutlich höhere Drehzahlen und Drücke möglich als bei berührenden Dichtungen.

So funktioniert es, in drei Schritten

1
Das Medium tritt in ein Labyrinth ein
Hinter dem Spalt liegt eine Reihe hintereinander angeordneter Kammern. Verschachtelte Stege und Nuten verlängern den Weg und verwirbeln die Strömung.
2
Kammer für Kammer fällt der Druck
An jeder Drosselstelle verliert das Medium Druck, der Volumenstrom sinkt. Der Spalt wirkt als Drossel, die das Medium zurückhält.
3
Der Kohlering dichtet dicht an der Welle
Ein Kohlering läuft mit geringstem Abstand zur Welle. Kohle ist selbstschmierend, das sorgt für minimale Reibung, lange Lebensdauer und einen Betrieb, der für 100 % Trockenlauf ausgelegt ist, ganz ohne zusätzliche Schmierung.

Warum Sperrgas dazugehört

Um das Medium vollständig zurückzuhalten, wird ein gasförmiges Sperrmedium, meist Stickstoff oder Luft, in den Spalt eingeleitet. Die Grundregel: Der Sperrdruck muss höher sein als der Druck des Mediums, damit dieses nicht durchdringen kann. Als Richtwert liegt er mindestens 0,1 bar über dem Druck im Dichtungsraum.

Das Sperrgas hält zugleich Schmutz fern, kühlt die Dichtung und kann den Raum inertisieren. Aufbereitet, geregelt und überwacht wird es von einem Sperrgassystem (SVP). Alternativ oder ergänzend kommt Sperrfett zum Einsatz, das den Sperrgasverbrauch um bis zu 90 % senken kann.

Typische Kennwerte, je nach Typ und Werkstoff
Betriebstemperatur
bis 500 °C
Umfangsgeschwindigkeit
bis 150 m/s
Wellendurchmesser
20–600 mm
Schmierung
keinefür Trockenlauf ausgelegt

Welcher Typ passt zu Ihrer Anwendung?

Berührungslose Wellendichtungen gibt es in mehreren Bauformen, abgestimmt auf Drehzahl, Druck, Temperatur und Einbausituation:

  • Type AD 200 – die vielseitige Spaltdichtung im geteilten Gehäuse, für rotierende und axiale Bewegungen.
  • Type AK 300 – Kammerbauweise für den Niederdruckbereich.
  • Type AK 800 – einteiliger Dichtring mit Bandage, ausgelegt für hohe Differenzdrücke.

Welcher Typ der richtige ist, hängt von den Betriebsbedingungen ab, genau hier beginnt die Dichtungsauslegung. Einen Überblick über alle Bauarten, berührungslos wie berührend, finden Sie auf unserer Seite zu den Wellendichtungen.

Fachlicher Hinweis: Dieser Beitrag erklärt das allgemeine Funktionsprinzip. Die konkreten Einsatzgrenzen hängen von Typ, Werkstoff und Betriebsbedingungen ab. Die genauen Auslegungsdaten stimmen wir individuell mit Ihnen ab.

Unsicher, welche Dichtung zu Ihrer Maschine passt?

Schicken Sie uns Ihre Betriebsbedingungen. Wir finden gemeinsam die passende Lösung, auch für Sonderkonstruktionen.